Wie man so lebt…

Da sich die Tage bei mir ziemlich gleichen, moechte ich mal etwas ueber das Leben in Lubhu oder Nepal schreiben. Was sicher am meisten auffaellt ist, dass der Strom nur zu bestimmten Zeiten (man weiss wenigstens wann) vorhanden ist. Das bedeutet fuer die meisten Leute, dass sie sich ziemlich danach richten muessen. So funktionieren die Web- und Spinnmaschinen natuerlich nur, wenn Strom da ist. Entsprechend hoert man auch wenn der Strom kommt, was besonders in der Nacht etwas laestig sein kann. Auch hat jede Steckdose ein kleines Laempchen, damit man sieht, wenn Saft da ist. Im Gegensatz zu bei uns, wo wir mit den Kindern Fernsehzeiten abmachen muessen, ist das hier automatisch gegeben. Auch das Lernen wird beeinflusst. Da der Strom meist um Mitternacht kommt, schlafen die Schueler bis dann, und sobald Strom da ist, koennen sie mit dem Licht wieder lernen.

Obwohl Nepal eines der wasserreichsten Laender der Welt ist, besteht eine ziemlich grosse Wasserknappheit. Wahrscheinlich hat das auch mit dem Strom zu tun, da die Pumpen nicht immer laufen koennen. Entsprechend kommt es sehr haeufig vor, dass kein oder nur troepfchenweise Wasser aus dem Wasserhahn kommt. Das kann manchmal ziemlich laestig sein. Auch ist die Qualitaet des Wassers so schlecht, dass man es nicht zum Zaehneputzen und schon gar nicht zum Trinken brauchen kann. Allerdings werden die Petflaschen, in denen man das trinkbare Wasser kaufen kann nicht rekliziert, was einem natuerlich hier wieder ein schlechtes Gefuehl gibt. Ich habe mittlerweile begonnen, das Wasser fuers Zaehneputzen chemisch aufzubereiten mit Chlortabletten aus der Schweiz. Sonst versuche ich moeglichst oft Tee zu kochen, damit ich nicht verdurste. Den lokalen Wasserfiltern traue ich jedenfalls nicht so recht.

Ein weiterer Punkt ist, dass irgendwie alles extrem chaotisch ist. Die Busse muessen zum Beispiel immer zum Bersten voll sein, damit sie rentieren. Entsprechend rennt der Beifahrer schreiend in der Gegend herum, um Leute fuer seinen Bus zu finden, um diese dann in den Bus zu quetschen. Da das immer etwa eine Handvoll Busjungen gleichzeitig machen, ist es halt superchaotisch. Ebenso dann auch auf der Strasse, denn erstens wollen alle moeglichst schnell ans Ziel kommen und zweitens den hunderttausenden von Schlagloechern ausweichen. Da das gemeinsame Verstaendnis so ist, dass man hupt, wenn man jemand ueberholen moechte oder das Gefuehl hat, dass der andere einem nicht sieht, toent es ziemlich ohrenbetaeubend auf Kathmandus Strassen. Denn diese sind nicht nur zu eng, sondern halt mit allerlei Fahrzeugen voellig ueberfuellt.

Auch nachts kann es ziemlich laut werden, denn neben den nachtaktiven Webmaschinen sind die herumstreunden Hunde und anderen Tiere dafuer besorgt, die ganze Nacht ein Bell-Konzert zu geben. Die duennen (wenn vorhanden) Scheiben moegen da nicht wirklich fuer Abschottung zu sorgen.

Aber eben, wir sind halt in einem Entwicklungsland und das merkt man. Die Leute hier sind superfreundlich und nerven sich zum Teil selbst darueber, dass ihr Staat noch nicht besser entwickelt ist. Aber eben: man muss sich halt damit arrangieren – und das tu ich halt auch. Sonst muesste ich ja nicht herumreisen, wenn ich alles so haben moechte wie in der Schweiz.

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